Bartolomeo Bortolazzi. Radierung von Johann Gottfried Scheffner, 1810.
Bartolomeo Bortolazzi. Radierung von Johann Gottfried Scheffner, 1810.

Bartolomeo Bortolazzi wurde am 3. März 1772 in Toscolano am Gardasee geboren. Toscolano gehörte zu diesem Zeitpunkt zur Republik Venedig. Häufig wird daher Venedig als Bortolazzis Geburtsort angegeben. Schon als Kind lernte Bartolomeo Mandoline. Als 18-Jähriger verließ er seine Heimatstadt und zog durch die Städte Norditaliens. Sein Weg führte ihn später nach Wien, wo er auf den Pianisten Colò di Riva di Trento traf, der ihm riet, eine professionelle musikalische Laufbahn einzuschlagen. Um 1794 heiratete er Margherita Leonardi, mit der er wieder nach Toscolano zog. Dort wurde am 29. März 1796 ihr Sohn geboren, der den Namen Giacomo Giuseppe bekam.

1799 siedelte Bortolazzi nach London über, wo er Mandoline und Gitarre spielte und unterrichtete. 1803 verließ er mit seinem siebenjährigen Sohn London und startete eine Deutschland-Tournee, auf der er seine Kompositionen für Gitarre und Mandoline auf die Bühne brachte. Bartolomeo spielte auf der Mandoline, sein Sohn Giacomo Giuseppe übernahm  den Gitarrenpart. Die Tournee führte Bortolazzi 1803 nach Dresden, Leipzig und Braunschweig, 1804 nach Berlin und wieder nach Leipzig.

Über Bortolazzis Konzerte wurde in der Fachpresse fast ausschließlich positiv berichtet, wenngleich der Tourneeauftakt etwas holprig verlief. So fiel die Kritik vom 2. September 1803, die sich auf einen Auftritt in Dresden bezog, wenig schmeichelhaft aus: "Von Bartolozzi, dem Mandolinenspieler, sage ich nichts, als, er macht sehr viel. Aber welch ein ärmliches Werkzeug, das nur Gezirp, keinen gehaltenen Ton, nichts von Gesang geben kann!" (AMZ 5/1803, Sp. 836). Ende September gab Bortolazzi während der Michaelismesse in Leipzig ein Konzert. Die Kritik fiel nun deutlich besser aus: "Herr BortoIazzi, Virtuos auf der Mandoline. Auf der Mandoline? wiederholen viele Leser kopfschüttelnd und lächelnd. Es sey drum! Wahr ist es allerdings, dass dies kleine, beschränkte, in weniger geschickter Hand nur zirpende Instrument nicht ohne Grund wenig Kredit in Deutschland hat: aber Hr. B. giebt den vollgültigen Beweis, wie Geist, Gefühl, Geschmack und unermüdlicher Fleiss auch durch ein unbedeutendes Organ zu sprechen vermögen. Seine Konzerte mit voller Orchesterbegleitung können, der Natur der Sache nach, weniger interessiren: aber seine Variationen und ähnliche kleinere Stücke, (meistens von seinem siebenjährigen Sohne auf der Guitarre, und gut begleitet,) so wie sein Improvisiren, sind sehr hörenswerth und äusserst erfreulich. Schwerlich möchte irgend Jemand, als ein Italiener, durch Kleines so interessant werden können. Hr. B. hat auch artige Kompositionen für sein Instrument herausgegeben; andere werden bald erscheinen" (AMZ 6/1804, Sp. 45f.).

Am 15. November 1803 trat Bortolazzi in Braunschweig auf: "Am 15ten Nov. gewährte uns der Mandolinspieler Bortolazzi ein einfaches, aber desto schöneres Vergnügen. Seine bewundernswürdige Fertigkeit ist schon aus diesen Blättern bekannt, und auch hier wird Jeder das Gesagte gern unterschreiben" (AMZ 6/1804, Sp. 265). Am 27. Februar 1804 gastierte er im Berliner Hotel "Stadt Paris": „Am 27sten Februar gab der Prof. Bortolazzi aus Venedig ein Konzert im Saale der Stadt Paris. Er selbst spielte eins seiner Konzerte auf der Mandoline, begleitet von einer obligaten Guitarre, die sein 8jähriger Sohn spielte; eine Romanze mit einer Fantasie für Mandoline und Guitarre, und Variationen für eben diese Instrumente aus der schönen Müllerin. (...) Das angenehme, äusserst fertige Spiel des Hrn. Bortolazzi, ist schon früher von Ihnen selbst gewürdiget und nach Verdienst gerühmt worden“ (AMZ 6/1804, Sp. 431f.). Am 29. März 1804 spielte Bortolazzi auf einem Abonnementkonzert des Konzertmeisters der kurfürstlichen Kapelle Ernst Schick (1756–1815) und des Cellisten Maximilian Bohrer (1785-1867) in Berlin: „Variationen für die Mandoline und Guitarre aus der schönen Müllerin spielte Hr. Bortolazzi und dessen Sohn“ (AMZ 6/1804, Sp. 481). Während der Leipziger Ostermesse 1804 gab Bortolazzi selbst ein Konzert, an dem auch der Pianist Wilhelm Friedrich Riem (1779-1857) teilnahm: "In einem Konzert des beliebten Mandolinspielers, Hrn. Bortolazzi, worin er seine Zuhörer auch diesmal angenehm unterhielt - wurde durch unsern braven Riem ein neues Quartett von Dussek, für Pianoforte, Violin, VioIa und Violoncello, zum erstenmal öffentlich producirt" (AMZ 6/1804, Sp. 541).

1805 ließ sich Bortolazzi in Wien nieder. Dort gab er ebenfalls Konzerte, verfasste eine "Anweisung die Mandoline von selbst zu erlernen" (1805) und brachte eine Gitarrenschule heraus. In einer Nachricht vom 9. April 1805 wurde kurz über ein Konzert, das Bortolazzi während der Fastenwochen in Wien gab, berichtet: „Der bekannte Mandolinspieler Bortolazzi zeigte in dem Konzerte, worin er sich von seinem Sohne auf der Guitarre begleiten liess, viele Gewandtheit, Feinheit, Leichtigkeit und Delikatesse“ (AMZ 7/1805, Sp. 500). In der Hauptstadt des Kaiserreichs Österreichs verlor sich Bortolazzis Spur. Wahrscheinlich starb er dort. Als Todesjahr Bortolazzis wird von manchen Autoren das Jahr 1820 genannt.